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  • Ute Richter-Schauwecker

Psychiater, Psychologe, Heilpraktiker für Psychotherapie oder Psychologischer Berater?

Immer wieder taucht die Frage auf: „Was ist der Unterschied zwischen Psychiater, Psychologe, Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Berater?“


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Also, wer sind die unterschiedlichen Ansprechpartner bei psychischen Problemen, die neben dem Hausarzt, der auch erste Anlaufstelle sein sollte, möglich sind? Die Idee, dass der Hausarzt unser Lotse durch das Gesundheitssystem ist, ist ja sinnvoll, spätestens, wenn Medikamente zum Einsatz kommen.


Inhaltsverzeichnis

1. Der Psychiater:

Wie wird man Psychiater?

Was fällt in den Zuständigkeitsbereich eines Psychiaters?

2. Der Psychologe:

Wie wird man Psychologe?

Wofür ist der Psychologe zuständig?

3. Der Heilpraktiker für Psychotherapie (HPP):

Wie wird man Heilpraktiker für Psychotherapie?

Wofür ist der Heilpraktiker für Psychotherapie zuständig?

4. Psychologischer Berater:

Wie wird man Psychologischer Berater?

Wofür ist der Psychologische Berater zuständig?




1. Der Psychiater:


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Wie wird man Psychiater?

Der Psychiater hat ein Medizinstudium absolviert und anschließend eine 5-jährige Facharztausbildung. Davon finden vier Jahre im psychiatrischen Bereich statt, also in einer entsprechenden Klinik oder in einer Facharztpraxis, die dafür eine sogenannte Weiterbildungsberechtigung hat. Ein Jahr gehört in den Bereich der Neurologie (https://bit.ly/3C9oMXL). Tatsächlich gibt es auch Psychiater, die einen zusätzlichen Facharzttitel für Neurologie erworben haben. Bis 1989 sprach man dann von dem Nervenarzt, dem Facharzt für Nervenheilkunde. Bei der Bezeichnung muss ich immer an Freud denken, heute findet man nur noch wenige Praxisschilder mit der Bezeichnung.


Was fällt in den Zuständigkeitsbereich eines Psychiaters?

In der Regel bieten Psychiater eine Sprechstunde an, in der die Patienten mit Medikamenten versorgt werden. Selten finden sie heute noch die Zeit, selbst Therapie anzubieten. Aber es gibt durchaus auch Ärzte, die nur therapeutisch arbeiten.




2. Der Psychologe:


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Wie wird man Psychologe?

Grundlage ist das Studium der Psychologie, ein breit gefächertes Studium, dem sich dann eine Ausbildung zum „Psychologischen Psychotherapeuten“ (PPT) anschließt. Schöner Zungenbrecher! Diese Ausbildung dauert 3 Jahre und findet auch in der Regel in psychiatrischen Kliniken statt. Sie endet mit der Approbation, der staatlichen Anerkennung für Heilberufe. Mit der Reformierung des Psychotherapeutengesetzes 2020 ist zukünftig ein Studium mit psychotherapeutischer Ausrichtung und eine verfahrensspezifische Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten notwendig – wie immer gibt es eine Übergangsregelung.


Wofür ist der Psychologe zuständig?

Wie der Psychiater haben die Psychologen sich auf ein Therapieverfahren festgelegt. Psychologen dürfen, weil sie keine Ärzte sind, keine Medikamente verordnen oder Überweisungen zu Fachärzten vornehmen.

Seit Einführung des Psychotherapeutengesetzes 1999 könnten „PPT“ Therapien mit den Krankenkassen abrechnen (https://www.buzer.de/gesetz/922/index.htm). Zum 01.04.2017 gab es Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde, d. h. jeder Psychotherapeut muss in der Regel vier psychotherapeutische Sprechstunden à 25 Minuten pro Woche anbieten (s. Psychotherapeutenkammer NRW: https://bit.ly/3SFLNHn). Es können aber von den Kassenärztlichen Vereinigungen regional abweichende Regelungen getroffen werden. Freie Kapazitäten sollen der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet werden, an die sich suchende Patienten wenden können. Patienten können in diesem Rahmen bis zu 150 Minuten in Anspruch nehmen. Seit 2018 sind mindestens zwei psychotherapeutische Sprechstunden-Termine von 25 Minuten Voraussetzung für eine Psychotherapie.




3. Der Heilpraktiker für Psychotherapie (HPP):


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Wie wird man Heilpraktiker für Psychotherapie?

Der HPP wurde früher der „kleine Heilpraktiker“ genannt, es ist ein sogenannter sektoraler Heilpraktiker, d. h. er darf im Gegensatz zum „Heilpraktiker“ nur im Bereich der psychischen Gesundheit aktiv werden. Der große Heilpraktiker darf alle Bereiche abdecken. Fun Fakt: Es gibt einen weiteren sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie (also für den Körper). Die Ausbildung ist nicht staatlich geregelt, der Titel wird nach einer Prüfung vor dem zuständigen Gesundheitsamt erteilt, in der sogenannten Bestallung. Die Prüfung dient der Abwehr von Gefahren der Volksgesundheit, es geht also auch darum zu wissen, was man nicht darf. Seit dem Jahr 2018 gibt es eine bundeseinheitliche Prüfung, die zweimal im Jahr durchgeführt wird.


Wofür ist der Heilpraktiker für Psychotherapie zuständig?

Heilpraktiker für Psychotherapie sind nicht an ein klassisches Therapieverfahren gebunden, können sich also eines bunten Methoden-Mixes bedienen. Das ist Chance, aber auch häufig Kritikpunkt. Regelmäßig kommt der Berufsstand des Heilpraktikers in den Fokus der Kritik, zeitweise gibt es Überlegungen ihn abzuschaffen oder nur Gesundheitsberufen zugänglich zu machen (siehe Münsteraner Memorandum https://www.aerzteblatt.de/down.asp?id=19264). Schwarze Schafe gibt in vielen Bereichen des Lebens. Meines Erachtens könnte eine einheitliche Prüfungsordnung, z. B. mit dem verpflichtenden Erlernen eines Therapieverfahrens und Fortbildungsverpflichtung hilfreicher sein. Einige Bundesländer erwarten das Erstere schon von ihren Teilnehmern. Ein Vorteil der HPP, der immer wieder genannt wird: Eine Terminvergabe erfolgt schneller und der Besuch eines Heilpraktikers für Psychotherapie steht in keiner Krankenakte, was für Menschen, die sich verbeamten lassen wollen, ein Vorteil sein kann. Vorsicht: Es gibt Diagnosen, z. B. wahnhafte Psychosen, von denen man als HPP die Finger lässt, bzw. nur begleitend tätig ist.

Es handelt sich in der Regel um eine reine Selbstzahlerleistung, die gelegentlich von privaten Versicherungen übernommen werden.




4. Psychologischer Berater:


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Wie wird man Psychologischer Berater?

Es gibt Kurse, in denen man sich zum „Psychologischen Berater“ ausbilden lassen kann und die in der Regel mit einem hauseigenen Zertifikat enden. Voraussetzung ist ein Mindestalter von 23 Jahren, ein mittlerer Bildungsabschluss und, wie es von einigen Ausbildungsinstituten genannt wird, „mentale Fitness“. Ein Studium ist somit wie beim Heilpraktiker für Psychotherapie nicht erforderlich.


Wofür ist der Psychologische Berater zuständig?

Der Psychologische Berater bietet keine Therapie, sondern Gespräche an, die dem Aufsuchenden Klärung bringen sollen. Manchmal wird die Aufgabe mit der eines Seelsorgers verglichen.

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